Archiv für Juli, 2011

Alice: Madness Returns

Style over Substance auf deutsch etwa Stil über Inhalt ist ein Vorwurf, den man oft in Verbindung mit Filmen hört, wenn diese sich in erster Linie auf überbordende Effekte und schön gefilmte Popcorn-Action konzentrieren, während die Story eher in den Hintergrund rückt. Im Gegensatz dazu gab es Bewegungen wie das von Regisseur Lars von Trier ins Leben gerufene “Dogma 95“-Manifest. Das selbst auferlegte Dogma sollte die Filmemacher durch den Verzicht von computergenerierten Effekten, künstlichem Licht, nachträglicher Musikuntermalung und Requisiten dahingehend befreien, sich wieder auf das Erzählen von Geschichten konzentrieren zu können. Auf der anderen Seite des Filmspektrums befinden sich beispielhaft die Frank Miller-Comicverfilmung 300 von Zack Snynder oder Nolans The Dark Knight, deren Story in jeweils zwei bis drei Nebensätzen umfassend erzählt sein mag, aber stilistisch und optisch Maßstäbe für das moderne Kino gesetzt haben. Ich mag Filme aus beiden Extremen, jeweils aus unterschiedlichen Gründen, aber ich kann auch das eine ohne das andere genießen. Wie sieht das bei Spielen aus? Ja, es gibt Spiele mit guten Geschichten. Wenn auch leider viel zu selten gut erzählt oder mit deutlichen Schwächen, aber es gibt in meinen Augen, im Vergleich zum Film, ein noch viel gewichtigeres Element: Die Interaktivität. Pac Man, Civilization, Tetris, ja selbst ein Super Mario kommen komplett ohne “Geschichte” im klassischen Sinne aus und fesseln uns über Stunden, teils Nächte – länger, als es je ein Film könnte. Ich würde das im Medium der Videospiele als die eigentliche Substanz bezeichnen. Was bringt eine tolle Story und eine tolle Grafik, wenn wir die Spielfigur nicht vernünftig steuern können, der Levelaufbau einfallslos ist und das Spielen einfach keinen Spaß macht? Das ist jetzt wahrlich keine neue Erkenntnis, aber die “Substanz” ist in meinem Augen wichtiger als jene den “Style” bestimmenden Elemente wie Grafik, Musik und Design. Was aber, wenn nun auf einmal ein Spieldesigner seine komplette Energie und Muße in eine ganz wunderbare Welt investiert, diese ästhetisch und künstlerisch wirklich sehenswert und traumhaft gestaltet, darüber aber vergisst, ein gutes, spannendes Spiel einzubinden? Das Ergebnis ist eine Hassliebe, wie ich sie in der Form noch bisher kaum erlebt habe. Die Rede ist von American McGees Alice: Madness Returns.

Ein Spiel, dass ich wirklich lieben möchte, aber nicht kann. (mehr…)

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 45 Followern an

%d Bloggern gefällt das: