Portal 2 hat so viele wunderbare Momente, aber es fällt mir schwer, einen dieser Momente explizit als Moment des Monats auszuwählen. Warum ist das so?

Die Antwort, die ich nach 3 Tagen ohne Nahrung in einer Schwitzhütte tief in den mexikanischen Wäldern in meinem Inneren vorfand: Weil sie mir nicht persönlich genug waren. Es sind nicht „meine“ Momente. In Spielen wie diesen sind, gezwungenermaßen, die besonderen, nennenswerten Situationen für alle Spieler gleich. Sie sind nicht magisch und einzigartig, da sie nicht organisch entstehen. Sie sind gewollt und geskriptet und auf die Sekunde genau getimed. Sie entstehen auf Grund einer geschriebenen Punchline, einer überraschenden Wende in einer Cutscene oder nach einer gewollten, vorgesehenen Reaktion meinerseits in der Spielwelt. Portal 2 ist so 100% durchgestylt, das Spielerlebnis dürfte sich von Spielern egal welcher Erfahrungsstufe so gut wie nicht unterscheiden. Würde man die Lacher und Reaktionen aller Portal 2 Spieler aufnehmen und an der jeweiligen Stelle im Spiel übereinander abspielen, ich vermute, das Spiel würde im Erleben schlagartig auf das Niveau einer Vorabend-Sitcom abrutschen, an denen an vorgeschriebenen Stellen auf Befehl hin gelacht werden muss und dies mit einem Laughtrack klar und deutlich gemacht wird.

Ich bin mir bewusst, dass ich einem linearen Spiel die Linearität vorwerfe, aber das kreide ich Portal 2 ja in diesem Kontext gar nicht an. Das macht das Spiel in keiner Weise schlechter oder gar weniger lustig, ganz und gar nicht! Welches Spiel kann schon von sich behaupten, Spieler laut vor der Konsole zum Lachen zu bringen? Mich hat es das. Sehr oft sogar! Diese Errungenschaft muss man Valve hoch anrechnen. Portal 2 ist Unterhaltung auf einem sehr hohen, nahezu perfekten Niveau. Schade nur, dass in diesem glattgeschliffenem Produkt ohne Kanten und Ecken kein Platz mehr übrig bleibt für meinen ganz persönlichen, kleinen, unvergesslichen Moment, der mir ganz alleine gehört und den ich hier mit euch teilen könnte. The magic moment is a lie.

Kommentare zu: "Mein Moment des Monats – Portal 2" (9)

  1. Ich denke, (und damit wiederhole ich mich vermutlich, das wurde alles schon in der Twittertimeline durchgekaut) das Gefühl hat auch viel mit dem vermainstreamten Puzzledesign zutun.

    In Portal fühlte sich alles fast permanent nach purer Improvisation des Spielers an. In Portal 2 eher nach: „Finde die korrekte Lösung, die anderen Flächen und Wände sind eh Schwarz.“.

    Oder so.

  2. Für prägende Momente gibt es ja noch den Coop-Modus, bei dem unvergessliche Dialoge via Headset entstehen können ;)

    • Hey, Nina, 100 Punkte für Dich. Damit nimmst du mir jetzt die Pointe vorweg ;) Mein nächster Moment des Monats Text sollte über den genialen Multiplayer gehen! Da stimme ich Dir übrigens voll zu. Soviel Spaß wie im Koop hatte ich in einem Spiel schon lange nicht mehr. Ich habe mich wirklich weggeschmissen vor Lachen, als … ach, dazu bald mehr an dieser Stelle ;-)

  3. Meine Güte. Das klingt aber ein bisschen Emo. Du verlangst da etwas, dass es nicht gibt. Computerspiele sind allen Fortschritten zum Trotz deterministische Automaten.

    Alles was durch eine Ausweitung der Möglichkeiten erreicht würde, wäre, dass die Anzahl der Spieler, die dasselbe wie du erleben, kleiner wird. Aber der Moment nur für dich kann nur durch andere Menschen entstehen.

    Empfehle den Koop-Modus. :D

    • Der Koop-Modus ist wirklich sehr genial und auch wenn die Rätsel genau so starr und eng sind wie im Hauptspiel, entsteht sehr viel mehr Situationskomik und natürlich auch Zwischenmenschliches im Voice-Chat durch den starken Fokus auf das Timing. Hatte sehr viele lustige Momente in ihm zusammen mit Daniel (siehe Podcast Folge 178 wo wir nur über den Multiplayer-Part sprechen: http://breakfast.vu0.org/archives/307)

  4. Portal 2 brüllt einem soviel entgegen, das man die leisen Töne sehr einfach überhört. Einige Stellen sind vordesignte Magic Moments – beispielsweise der Chell-Altar von Rattman. So macht man das einfach.

    Nebenher gibt es Kleinigkeiten, die man erstmal verstehen muss. Die dezenten Veränderungen im Motelzimmer und meine kleinen Zweikämpfe mit den Frankenturrets sind so Kandidaten.

  5. […] übrigens auch: Manu hat sich neulich beschwert, dass ihm der Single-Player-Modus von Portal 2 keinen Moment des Monats geboten hätte, weil alles zu perfekt designt ist, weil alles für jeden zugänglich ist und damit nichts […]

  6. Echt gute Betrachtung, das war mir bisher noch garnicht so bewusst geworden. Das ist ja, oh Schreck, etwas, das jetzt mittlerweile tendenziell immer mehr Spiele betreffen wird. Da findet plötzlich im negativen sinn eine Ver-Film-ung des Mediums Videospiel statt. Obwohl ja bisher viele bisher geradezu mehr von dem Hollywood-Blockbuster-Flair verlangt haben…

  7. Hi Erlkönig! Ich weiß noch gar nicht, ob das wirklich negativ ist, diese Entwicklung. Mir persönlich gefallen diese durch-geskripteten Spiele wie Uncharted 2 auch sehr, sehr gut. Das Erlebnis des Spieles wird linearer und gleichgeschalteter wie ein Hollywood-Film, aber dadurch kann der Entwickler natürlich auch mehr Spannung erzeugen. Es sind zwar erzwungene Wow-Momente und bieten entsprechend wenig Platz für eigene Entdeckungen, aber wirklich schlimm finde ich das nicht. Nur eben bleibt wenig zu erzählen übrig für diese Rubrik, weil ja alle Spieler genau den gleichen Moment erlebt haben und daher schon längst Bescheid wissen ;)

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