DeathSpankArt

Es gibt ein paar Dinge, über die sich die meisten Spieler eigentlich einig sind: Monkey Island ist lustig und Diablo hat ein verdammt gutes und süchtigmachendes Spielprinzip. Wenn nun der Erfinder, Autor und einzig lebender Mensch auf Erden, der das Geheimnis von Monkey Island kennt, beschließt, diese beiden Spieleperlen zu vermischen, dann darf man in der Tat aufgeregt und gespannt sein. DeathSpank nennt sich das Kind dieser Liaison und ist nun als Download-Titel für die Xbox 360 und PS3 erschienen.

An erster Stelle ein großes Dankeschön an die zwei kreativen Köpfe hinter dem Webcomic Penny Arcade. Schließlich waren sie es, die Ron Gilbert als Berater hinzuzogen, um dem Entwickler “Hothead Games” bei ihrem Spiel Penny Arcade Adventures: On the Rain-Slick Precipice of Darkness zu helfen, den richtigen Ton bei dem sehr dialoglastigen Titel zu treffen. Daraufhin bot Ron Gilbert “Hothead” seine Idee für das Spiel DeathSpank an, nachdem er 4 Jahre lang davor vergeblich nach einem Entwickler gesucht hatte. Und Hothead griff zu. Zum Glück, denn das Ergebnis ist wirklich wunderbar. DeathSpank ist ein durch und durch unterhaltsames Hack ‘n’ Slay-Spiel geworden.

Doch der Reihe nach, um was geht es überhaupt? Nun, wir führen DeathSpank, den zwar lila Tangas tragenden, aber sehr heldenhaften Hauptcharakter, durch eine Welt voller Fantasy-Anspielungen auf der Suche nach seinem Erzfeind “Lord von Prong” und begegnen dabei allerlei illustren und schrägen Charakteren mit noch seltsameren Problemen. Ganz in der Tradition von Diablo nehmen wir Aufträge an, die uns Geld und neue Waffen oder seltene Tränke als Belohnung versprechen und ziehen ins Abenteuer. Die gesuchten Quest-Items sind dann in der Regel Teil der Gegenstände, die in den unzähligen Kämpfen gen Boden fallen. Um zu Kämpfen drücken wir einen von vier Knöpfen auf unserem Gamepad, jeder Knopf steht dabei für einen anderen Waffenslot, den wir individuell mit einer Waffe bestücken können. Einen Mangel an Auswahl haben wir dabei nicht zu beklagen, eher eine Überauswahl, denn neue Waffen und Gegenstände fallen genretypisch en masse von jedem Gegner ab. Praktischerweise wird die jeweils aktuell beste Waffe im Menü farbig hinterlegt, so dass auch die fehlende Vergleichsansicht, in der man zwei Waffen miteinander vergleichen kann, nicht sonderlich ins Gewicht fällt. Als Ausgleich verzichtet das Spiel jedoch dafür auf die aus Diablo-Zeiten bekannten wie nervigen Gänge in die Stadt zum Verkaufen der nicht benötigten Gegenstände. DeathSpank hat in seinem Inventar nämlich einen eigenen Fleischwolf, der es uns erlaubt, nicht gebrauchte Gegenstände direkt vor Ort in Geldeinheiten zu verwandeln. Praktisch. Auf Wunsch legt DeathSpank sogar selbstständig und vollautomatisch die beste Rüstung an. Auch praktisch. Dadurch verpasst man zwar ein paar Wortspiele, denn jede der unzähligen Waffen und Rüstungen hat einen mal mehr, mal weniger witzigen Namen und eine passende Beschreibung spendiert bekommen, kann sich dafür aber mehr auf das Spiel konzentrieren und verbringt nicht Stunden im Menü.

Auf Magie oder verschiedene “Klassen” müssen wir verzichten, dafür können wir jedoch versuchen, im Kampf Multiplikatoren zu ergattern. Wechseln wir bei jedem Schlag die Waffe, addieren sich diese Boni und so sind bis zu 7-fach stärkere Schläge möglich. Kommen wir aus dem Rhythmus, schlagen daneben oder mit einer Waffe doppelt, fängt der Zähler wieder von vorne an. Soviel zur Spielmechanik, doch was einen wirklich über die 12-15 Stunden Spielzeit trägt, ist nicht das doch arg repetitive “besorge Anzahl X von Monstertyp Y”-Schema der meisten Quests, sondern die Dialoge mit den Questgebern. Hier kommt Ron Gilberts Handschrift sehr deutlich zum Tragen und wer den Humor von Monkey Island mochte, wird sich auch hier über die abstrusen Dialog-Optionen erfreuen können. Dafür sollte man seine intellektuellen Ansprüche auch etwas zurückschrauben. Man muss sich auch mal etwas ausgiebiger mit Einhorn-Verdautem beschäftigen und die Teleporter sind schlicht und ergreifend Plumpsklos.  Es gibt jedoch auch subtilere Momente wie ein zweiäugiger Zyklop oder Seitenhiebe auf World of Warcraft. Die Dialoge sind alle komplett von hoch professionellen Sprechern eingesprochen, denen man den Spaß an der Sache deutlich anmerkt. Der Held DeathSpank erinnert in seiner überheblichen, aber dümmlichen Art und Stimme an Captain Qwark aus dem “Ratchet & Clank”-Universum oder an Zapp Brannigan aus der TV-Serie “Futurama”.

Der Grafikstil springt einem im wahrsten Sinne des Wortes nahezu ins Auge, erinnert das Setting doch sehr stark an die so genannten “Pop-Up”-Kinderbücher, sprich alle unlebendigen Gegenstände wie Häuser oder Kisten und sämtliche Vegetation wirken wie aus Pappkarton ausgeschnitten und stehen zweidimensional auf der sonst runden Spielwelt. Die Artdirektion schlägt dabei einen sehr starken Comic-Look an, die NPCs sind auf eine für Karikaturen passende Art sehr spitz überzeichnet. Eine sehr stimmige Welt vom kleinsten Gegner bis zum Endboss. Hier steckte offensichtlich viel Liebe drin mit einem Auge für’s Detail.

Die ohrwurmverdächtige Musik könnte man am ehesten wohl als “Funky-Fantasy-Jazz” bezeichnen, auf jeden Fall begleiten die Melodien einen nicht nur während des Spieles, ich habe mich oft dabei ertappt, die Themen tagsüber weiter zu summen. Erinnert hat mich der Stil erstaunlicherweise extrem an “No One Lives Forever” und “Evil Genius”. Alle Dialoge sind komplett in Englisch, sowohl textlich als auch gesprochen. Eine deutsche Lokalisierung wurde bisher noch nicht angekündigt. Um das Spiel in vollem Umfang genießen zu können, sind also gute Englischkenntnisse von Nöten.

Alles in allem hat mich DeathSpank für seinen kleinen Preis von zum Start 1200 MS-Punkten sehr lange und sehr gut unterhalten. Einem Spiel, welches mich ständig und oft zum Lachen bringt, verzeihe ich dafür auch kleinere Schwächen. Die repetitiven Quests werden durch die Missionsbeschreibungen, die großartig geschriebenen und eingesprochenen Dialoge, eingängige Musik und nicht zuletzt Dank des wunderbaren Grafikstils so aufgewertet, dass man dennoch wirklich jede Nebenquest machen möchte, um keinen Gag zu verpassen. Dass die Spieldauer mit 15 Stunden locker mit aktuellen Vollpreistiteln mithalten kann, ist ein Bonus für Spieler mit begrenztem Budget.

Ron Gilbert hat uns nicht zu viel versprochen: Die Formel “Diablo trifft Monkey Island” ist mit diesem Spiel voll aufgegangen.

Hinweis: Dieses Review wurde geschrieben für players-source.de und wurde ebenfalls hier veröffentlicht.

Danke für die freundliche Unterstützung mit dem Testmuster an Mike von www.players-source.de – wo ihr noch weitere, ausführliche Reviews, Screenshots, Videos, News und eine aktive Community findet.

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Kommentare zu: "DeathSpank – "I wouldn’t lie to you unless it was funny"" (6)

  1. Hört sich cool an. Hack ’n‘ Slay ist nicht so mein Genre, finde das meist schnell langweilig und oft auch unübersichtlich, deine Beschreibung macht aber echt Lust auf das Spiel, mal sehen. Gibt es ’ne Demo?

    • Danke, wenn ich Leuten den Spaß an einem Spiel vermitteln kann, dann hab ich mein Ziel erreicht!

      Und ja, jedes XBL-Arcade Game hat eine Demo. Würde sogar dringend empfehlen, die Demo zu spielen, da ein paar Gags speziell für diese gemacht wurden und die man verpasst, wenn man es direkt kauft ;) Die Demo gibt einem auch ein sehr guten Eindruck, wenn dir diese keinen Spaß macht, dann kannst du sicher sein, dass es nicht dein Spiel ist. Es bleibt genau so bis zum Ende.

      Ob die PS3-Version eine Demo hat, weiß ich nicht, sorry.

  2. PS3 has no games AND no demos? Egal, David has no PS3. ;-)

  3. Hab die Demo angespielt, ist echt witzig, besonders die Sprachausgabe. Hatte eigentlich was 2Diges erwartet, trotzdem super :)

    • Also die genialen Dialoge waren der Hauptgrund, es zu spielen für mich. Musste wirklich ein paar mal herzhaft lachen und oft schmunzeln. Freue mich auf den Nachfolger.

  4. […] DeathSpank passt nicht mehr rein, war aber auch wirklich lustig und hat mich mehrmals zum Lachen […]

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