Deus Ex 

Mein Blog ist zwar noch relativ jung, ich mache diesen Spiele-Schreibkram aber nun doch schon eine ganze Weile. Auch wenn es zwischendurch immer wieder mal größere Pausen gab, losgelassen hat mich das Schreiben und Reden über Spiele nie. Just beim “Aufräumen” entdeckte ich ein altes Review, dürfte eines meiner ersten gewesen sein, die auch wirklich veröffentlicht wurden und zu denen ich ein Testmuster bekam. Die Seite gibt es schon lange nicht mehr und war auch damals alles andere als erfolgreich, aber hey: Free Games! :-)

Viel Spaß beim Lesen und schade, dass ich mit der der Vorfreude auf Deus Ex 2 nicht Recht behalten sollte, vielleicht entschädigt ja der bald kommende Teil 3. Jetzt viel Spaß beim Schwelgen in Erinnerung. Und wenn das Headerbild auf euch zutrifft, lasst es mich wissen ;)

Santa Spector
Früher habe ich mein Traumspiel in etwa so definiert: ein bisschen “Blade Runner”, ein wenig “Akte X”, eine Prise “Illuminati”, Spannung und Feeling von “System Shock” und eine Spielwelt, in der sich meine Handlungen auch auswirken. Warren Spector muss wohl einen guten Draht zum Weihnachtsmann haben, denn sein neuestes Spiel hat er gnadenlos von meinem Wunschzettel abgekupfert, das steht wohl außer Frage. Warren Spector müsste eigentlich allen passionierten Computerspielern ein Begriff sein. Der Kopf hinter den zwei Erfolgsreihen „System Shock“ und „Thief“ zeichnet sich auch für “Deux Ex” verantwortlich. Die Verwandtschaft lässt sich auch kaum verheimlichen. Wer “System Shock” gespielt hat, wird sich auch in “Deus Ex” sofort zurechtfinden.

…wie die Pest !
Im 22ten Jahrhundert verbreitet sich eine tödliche Krankheit wie im Mittelalter die Pest, namens "Grauer Tod". Doch es gibt nur eine Firma, die das Gegenmittel „Ambrosia“ dazu entwickelt hat. Leider sind die Vorräte sehr begrenzt und nur wichtige Staatsmänner sowie die Reichen und Schönen scheinen genügend Gegenmittel zu bekommen.
Natürlich bleiben Massenaufstände nicht lange aus und schon bald erscheinen die ersten Terroristengruppen, um sich gegen die Medizinprivilegien aufzubäumen. Der Spieler schlüpft daraufhin in die Rolle des Spezial-Agenten "JC Denton", einer Art Cyborg-Prototyp, einem Mensch mit Technik-Implantaten, der dadurch nicht vom "grauen Tod" befallen werden kann. Als Mitglied der UNATCO (Anti-Terror Truppe) ist es seine Aufgabe, etwaige terroristische Übergriffe abzublocken und für Recht und Ordnung zu sorgen. Mehr sei hier nicht verraten, doch mit einem Gespür für Verschwörungstheorien kann man sich in etwa ausmalen, in welchen Dimensionen sich die Verstrickungen ausbreiten.

this way or that way…
Das besondere an Deus Ex ist, dass es einem Programmierteam zum ersten Mal wirklich gelungen ist, eine ernsthafte Welt zu erstellen, in der sich die Taten und Konversationen auch wirklich auf die Geschichte auswirken. Das steigert die Atmosphäre und Spieltiefe und man hat das Gefühl, als Spieler ernst genommen zu werden. Ebenso neu wie genial umgesetzt ist die bisher größte Handlungsfreiheit. Obwohl die Spielwelt riesig groß ist, stehen einem zu fast jedem Rätsel mindestens 2 verschiedene Handlungswege zur Verfügung.
Während es dem einen Spieler eher liegt, mit einem Flammenwerfer alle Wächter eines Gebäudes eigenhändig zu grillen, zieht es der andere vielleicht vor, in die Lüftungsschächte zu klettern und einen Gasbehälter zu zünden, der darauf die Atemluft verpestet und alle Wachen k.o. setzt, um dann in Ruhe die geheimen Daten mitgehen zu lassen. Diese Art von Entscheidungen finden sich überall. Soll ich den Computer hacken und einen Alarm riskieren oder lieber nach dem Passwort suchen? Schalte ich die Wache mit dem Scharfschützengewehr aus, oder schleiche ich mich vorbei? Muss ich ihn wirklich töten oder langt ein Betäubungspfeil? Man muss allerdings dazu sagen, dass diese Freiheit eine gewisse Eingewöhnungszeit bedarf. Die ersten Spielstunden ist man hin und wieder etwas dissorientiert, weil man sich erst daran gewöhnen muss, dass wirklich mehrere Wege zur Verfügung stehen. So kann es schon mal vorkommen, dass man eine Tür per Dietrich knackt und damit das Ziel schon erreicht hat, beim rausgehen aber einen Lüftungsschacht findet und diesen aus Neugier ausprobiert, um sich dann in einem Raum zu finden, wo das Passwort für die bereits geknackte Tür liegt.

Wer die Wahl hat…
Während des Spielverlaufes findet man immer wieder Implantate und Updates, die die Fähigkeiten des Characters verbessern. Auch hier bietet einem das Spiel wieder die freie Wahl. Ein Implantat hat immer zwei Fähigkeiten, jedoch kann nur eins davon genutzt werden, was sich nach der Entscheidung auch nicht mehr ändern lässt. Will ich lieber schneller laufen können oder lieber leiser? Möchte ich ein Implantat, welches mich heilt, oder welches mir mehr Energie zur Verfügung stellt?

Das zweite, für Rollenspiele typisches Element, sind die Skills: 11 dieser Fähigkeiten beschreiben den Charakter und sein Können, z.b. Schlösser knacken, Computer hacken, schwimmen oder der Umgang mit Gewehren. Durch erledigte Aufträge sammelt man Erfahrung und kann diese Punkte auf diese Skills verteilen. Jeder Skill hat 4 Stufen, von Anfänger bis Meister. Während der Lauf des Gewehres bei einem Scharfschützenneuling in der ersten Stufe stärker wackelt als ein Kuhschwanz, bringt den Stufe 4 Killer fast nichts mehr aus der Ruhe. Der Schlossknacker benötigt immer weniger Dietriche, während dem Hacker mit einer höheren Ausbaustufe mehr Zeit zur Verfügung steht, bevor er entdeckt wird.

Half Ex
Die Grafik erinnert vom Stil her an Half Life, ist aber technisch nicht ganz auf dem aktuellsten Stand. Insgesamt läuft es nicht ganz so flüssig wie aktuelle 3D-Shooter, aber außer der Steuerung hat Deus Ex auch nichts mit diesem Genre gemeinsam, und daher ist die Engine völlig ausreichend. Die Level wurden dafür wunderbar liebevoll gestaltet und ausgeschmückt. Zeitungen können wirklich gelesen werden, fast jedes Objekt lässt sich manipulieren oder zerstören und die Atmosphäre wird durch die bedrückende, graue “Blade Runner”-Architektur nur verstärkt.

Fazit
Einfach nur genial. Wie lange habe ich mir ein Spiel gewünscht, dass sich mit Verschwörungen beschäftigt. Wie lange habe ich auf so eine Handlungsfreiheit gewartet? Und dann kommt gleich alles in einem Spiel. Wow! Zum Glück wurde der zweite Teil schon angekündigt. Und bis dahin lässt sich dieses Spiel ohne Probleme drei mal durchspielen und jedes Mal auf eine andere Art und Weise. Es gibt sogar drei verschiedene Enden! Dieses Spiel darf man einfach nicht verpassen, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen.

Für die PC-Spieler zum Schmunzeln noch ein Nachtrag:
Getestet auf Pentium II 350 / 128 MB RAM / 40x-CD-ROM / Voodoo2

Kommentare zu: "10 years ago… Deus Ex Review aus dem Jahre 2000" (2)

  1. Huui – muss ich mich jetzt noch erinnern, auf welchem Rechner ich Deus Ex gespielt habe? Wird wohl Urd-Zwo gewesen sein, mein alter PENTIUM!!! (die schrieb man wirklich so), oder die Kiste davor.

    Aber hey – Deus Ex. Wenn ich es nicht noch installiert hatte, um diverse Mods abzuchecken, würde ich es in der Tat jetzt nochmal installieren. Beim letzten Versuch habe ich auch gemerkt, dass man zumindest am Anfang die Feinde auch komplett umgehen kann – die Abwehrtürme umzuprogrammieren gilt vielleicht nicht als humane Herangehensweise.

    Ich empfehle jedem auch mal einen Blick auf den Malkavian Mod zu werfen – Link im Video. http://www.youtube.com/watch?v=-faAQIjbJZE

    Auf die gesamte Spieldauer gesehen, hat die Freiheit aber auch Einschränkungen. Einige Sachen, die extrem schwer, aber nicht unmöglich sind, wie die Rettung des Bruders, reissen Plotholes in die Story – aber wenigstens sind es keine Gamebreaker, man kommt immer weiter.

    Nach wie vor der Hit ist der Soundtrack, Der gewisse Unreal-Engine Synthie-Klang passt super zum Spiel.

  2. Na dann bin ich mal gespannt, hab es gerade zum ersten Mal installiert.

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