Bayonetta Concept Art (c) 2009 by Platinum Games

Eines steht fest: Bayonetta werden wir so schnell nicht wieder los. Das „Sarah Palin“-Double mit Kassengestell läutet nicht nur unser Spielejahr 2010 ein, sondern auch eine neue Ära in der Darstellung von Frauen und Sexualität in Spielen. Lara Croft hatte ein paar zu große Vektoren auf Brusthöhe, die große, böse Schwester Bayonetta dagegen räkelt sich in aufreizender wie eindeutiger Pose halbnackt vor uns, während im Hintergrund eine dämonische Krähe, geformt aus ihren Haaren, den Kopf eines ebenso dämonischen Wurmes ausreißt und verschlingt. Das ist anders, verstörend und klar, auch ein wenig sexy, denn ihr eng anliegender, tief ausgeschnittener Anzug besteht ausschließlich aus (magischen) Hexen-Haaren, mit denen Sie dämonische Über-Kreaturen formen kann. Ja, Haare werden zu Dämonen, richtig gelesen. Drücken wir die richtigen Knöpfe, löst sich Bayonetta Ihren Zopf auf, formt daraus mal eine Riesenkrake, eine dämonische Spinne oder einfach nur einen überdimensionalen Haar-Stiefel und zerquetscht damit eindrucksvoll ihre Feinde. Das ist alles so extrem übertrieben, dass man es mit Worten gar nicht wirklich beschreiben kann. Aber es sieht in beiden Bedeutungen des Wortes einfach nur „fantastisch“ aus. Und es spielt sich zum Glück auch so.

Die sexuellen Referenzen, die sich durch das gesamte Spiel ziehen, sind, gelinde gesagt, das Gegenteil von subtil. Man hat stellenweise das Gefühl, in einem feuchten Teenagertraum zu sitzen, der sich in einer Mischung aus zuviel Fastfood nach Mitternacht und einem übertriebenem Anime-Konsum zu dem Wildwuchs entspinnt, der Bayonetta optisch geworden ist. Die Kameraführung läßt so gut wie keine Chance aus, möglichst nahe zwischen den gespreizten Oberschenkeln dieser Dame zu landen. Wirkliche Tatsachen sehen wir allerdings nie, eine Locke des schwarzen Haarschopfes weht stets galant um Bayonetta herum, so dass Nippel und Co sehr gewissenhaft vor unserem gaffenden Blick geschützt bleiben. Wäre das sonstige Spiel nicht so atemberaubend inszeniert, man würde dieses pubertierende Gehabe wohl nicht all zu lange aushalten. Das Spiel entschädigt uns aber auch abseits der optischen Reize mehr als ausreichend.

Große Endbosse und tolle Finishing-Moves haben wir auch in anderen Spielen schon eindrucksvoll erlebt, aber Bayonetta fährt diese großen Momente gefühlt bei jedem zweiten Gegner auf. Die meisten der Kreaturen, die uns begegnen, könnten abgelehnte Levelbosse aus anderen Spielen sein, was das Kaliber für die tatsächlichen Bosse bei Bayonetta noch mal um einiges steigert. Ähnlich wie bei „Shadow of the Collossus“ befinden wir uns oft AUF den Endbossen und kämpfen uns an Ihnen empor, schlagen nacheinander mutierte Gliedmaßen mit sabbernden Gebissen ab, nachdem wir ihnen die Zungen heraus geschnitten haben, um uns schließlich zum eigentlichen Kopf der abnormalen Kreatur empor zu kämpfen, wo uns erneut die irrwitzigsten Mutationen stets aufs Neue überraschen. Überraschung ist sowieso das Motto. Dieses Spiel gönnt uns keine Ruhepause. Durch das Setting mit vier unterschiedlichen Dimensionen und die undurchdringliche Story brauchen sich die Entwickler nicht um so Nebensächlichkeiten wie Physik, Realismus oder Bezug zu kümmern und schufen sich damit die ultimative Spielwiese um wirklich alles, was Ihnen in den Sinn kam, auch so verwirklichen zu können. Das Spiel, und das macht es auch so erfrischend, schert sich einen Dreck um Mainstream und wie ein antiautoritär erzogenes Kind macht es einfach immer genau das, wozu es am meisten Lust hat. Ein Kampf mit Motorrad auf der Tragfläche eines abstürzenden Flugzeuges? Check! Ein Schusswechsel mit Sprungeinlangen auf den abstürzenden Teilen des Big Ben Turmes? Klar! Eine Verfolgungsjagd auf einer hinter uns abbrechenden Autobahn? Kein Problem.

Die Krönung des ganzen Spektakels ist dann aber die Musikuntermalung. Zuckersüßer, boxenverklebender J-Pop tropft aus den Lautsprechern und setzt das blutige, dämonenmetzelnde, sadistische Treiben auf dem Bildschirm in einem so verschrobenen Kontext, das es ein Fest ist. Die abwechslungsreichen Stages, die unfassbar epischen Endbosse, ein Füllhorn an abgedrehten Ideen und Locations und eine große Portion Selbstironie setzen Bayonetta die Action-Krone auf. Ein „Höhepunkt“ des Spielejahres 2010*!

Den vollständigen Artikel könnt ihr hier bei www.players-source.de lesen. Danke an Mike und Sega für das Testmuster.

* Ja, man konnte Bayonetta bei manchen Händlern schon Ende 2009 ergattern, aber offizieller Release war der Januar 2010 in Deutschland

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Kommentare zu: "Was macht Bayonetta eigentlich bei Spliss?" (4)

  1. Echt gut geschrieben und geschildert… Hab das Spiel selbst durch und würde es auch GENAU so beschreiben.

    • Danke für das Lob! Finde auch, das Spiel ist völlig unterbewertet bei uns, was wohl auch an der abstrusen „Story“ liegt.

  2. Dantes-X schrieb:

    Hab es gerade durchgespielt und permanent dachte ich mir. „Was?“ „Wie?“ „Wow!“ „GEIL!“ „Gott sei dank hat die USK gepennt!“ „An unexpected turn of events!“

    So ca war der ablauf. Ein wunderbares game. Setzt epic auf einen neuen Level. Absolut. BIn gespannt ob GoW3 mithalten kann. Man man man. Ich gebe dem Spiel eine zu 99.6% von 100.

    Dein Artikel trifft es wie die Kugel auf die Stirn. Pack ich mir in die Merkliste.

  3. Seeeeeeeeeeeeeehr mädcheeen schrieb:

    Alteer -.- man fragt nach spliss und hier kommt was anderes -.-

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