Oh Mann. Wieder mal ein wunderbares Beispiel, dass das mit den Punktzahlen unter den Reviews uns so nicht wirklich weiterbringt. Ist ja alles nicht so einfach inzwischen. Ganz konkretes Beispiel, welches die Ironie besonders schön verdeutlicht: Der, bzw. die Testberichte über das Spiel „Dragon Age: Origins“ bei Eurogamer.

Eurogamer is eine der (zumindest von mir) favorisierten Online-Seiten, die sich am „New Game Journalism Manifesto“ orientieren, also die Subjektivität, das Empfinden und Erleben des Spieles in den Vordergrund stellen und nicht versuchen, Spielspaß objektiv messen zu wollen. (Ich versuche das in meinen Reviews übrigens auch – und ihr solltet das ebenfalls, falls ihr Reviews schreibt. Wer mehr darüber lesen möchte, hier der Wikipedia Eintrag dazu.)

Wer noch nicht von Dragon Age gehört hat, es handelt sich dabei um ein Rollenspiel für PC und Konsolen von Bioware. Die Erwartungen waren entsprechend hoch, galt Dragon Age doch schließlich von Beginn an als das „Next Generation’s Baldur’s Gate“, also als der legitime Nachfolger im Geiste der unsterblichen RPG-Legende. Entsprechend gespannt war ich daher vorallem auch auf die Meinung der Jungs von Eurogamer.

Einmal aus England, der Hauptseite des Networks:

http://www.eurogamer.net/articles/dragon-age-origins-xbox360-review

und einmal von der deutschen Schwesterseite, Eurogamer.de:

http://www.eurogamer.de/articles/dragon-age-origins-test

Wenn wir nun Ausnahmsweise, aus rein wissenschaftlichen Gründen versteht sich, unseren Blick erstmal NUR auf die Wertungen für die XBOX Fassung lenken, bitte:

EG England 6/10 vs. EG Deutschland 10/10
(Auf dem gleichen Network, wohlgemerkt!)

Um es in der Sprache der Spezies „Kommentarkiddies“ zu sagen: „ERSTER!“ „… wtf?!!1 LOL! eurogamer suxx!“

Was fangen wir denn jetzt mit dieser Info an? Wer hat denn nun…“Recht“ ?

Wenn man mal beide Wertungen für einen Moment ignoriert und sich beide Tests wirklich durchliest, stelle ich nämlich mit erschrecken fest: Sie haben beide völlig Recht! Ich kann sofort den englischen Test unterschreiben, der die technischen Mängel der XBOX Fassung herausstellt, nicht aber der Technik wegen, sondern er zeigt ganz klar auf und argumentiert stichhaltig, wie trostlos die doch eigentlich tolle Welt von Dragon Age dank ihrer veralteten und hässlichen Grafikenginge auf der XBOX daher kommt. Wie TOT die Figuren wirken, weil ein paar kleine technische Finessen fehlen. Oli Welsh hat das perfekt getroffen mit dem Satz: „This version of Dragon Age fell into a creepy ditch a long time before it got anywhere near the uncanny valley.“ (Erklärung: „Uncanny Valley“ Wikipedia Eintrag) – und hey, der Satz sitzt.

Wenn wir uns nun die deutsche Version der Review von Martin Woger durchlesen, dann erwartet und nämlich nicht, wie man beim Anblick der Wertung meinen könnte, das komplette Gegenteil. Nein, bei dem wirklich sehr schön geschriebenen Review Liebesbrief an dieses Spiel, arbeitet Martin Woger Wort für Wort heraus, was die Seele von Dragon Age (für Ihn persönlich) ausmacht: Nämlich die Interaktion mit den Figuren, deren Lebendigkeit und die Geschichten, die das Spiel erzählt. Gerade deßhalb schmerzt es so, die Figuren so vergewaltigt zu sehen auf der Konsole. Was interessiert mich die beste Geschichte, wenn die Figur nur ein polygonarmes, kantiges Matschgesicht bleibt, welches in einer humpelnden weil nie so stimmungsvollen deutschen Synchronisation redet.

Die fehlende, bzw. PC-Exklusive strategische Steuerungsmöglichkeit tut natürlich ihr übriges, auch wenn man sich damit sicherlich arrangieren kann an der Konsole, es ist nur nicht ganz so komfortabel.

Nach zwei verschiedenen Origins, das sind die Anfangsstories, von denen es 6 gibt und die uns in die Geschichte einführen, hat mich die erste schonmal schrecklich kalt gelassen. Bei der zweiten Origin bin ich nun bis zum Ende der ersten größeren Stadt angekommen. (Spielzeit ca. 6 Stunden) Ich muss leider feststellen, dass ich enttäuscht bin. Mir wird zwar von allen Seiten versichert, dass es noch „besser wird“, aber die fehlende „Seele“, die die PC Version zu haben scheint, vermisse ich nun um so mehr nach dem Lesen der beiden Reviews.

Kommentare zu: "Dragon Age und der Krampf mit den Wertungen" (1)

  1. Hm. Ich gebe zu, dass ich „echte“ RPGs bisher eher wenig gespielt habe. Daher vielleicht auch meine positive Meinung zu dem Spiel.
    Das mit den kantigen Matschgesichtern kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. So wie ich das sehe spielst Du auf der 360. Kann mir jetzt nicht vorstellen, dass es dort soviel anders aussieht als auf der PS3 – aber die Charaktere sind doch durchweg sehr gut geworden.

    Aber in der Tat – das ist alles subjektives Empfinden.

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