Kälte

Es ist keine Menschenseele auf der Straße. Überall türmen sich meterhohe Schneeberge. Die komplette Stadt scheint unter einer riesigen, weißen Decke zu schlafen. Ich irre umher, suche nach einem Ausweg aus den Schneemassen als plötzlich… meine Wiimote klingelt. Etwas verdutzt schaue ich auf das Eingabegerät in meiner Hand, und höre, wie jemand aus dem kleinen, integrierten Lautsprecher quäkt. Reflexartig und als wäre es selbstverständlich, halte ich mir die Wiimote wie ein Telefon ans Ohr, mein Charakter auf dem Bildschirm tut das schließlich auch und ich… telefoniere.  Der Anruf war mysteriös, eine mir unbekannte Frau, wie von Band gesprochen und mir läuft es ob der direkten Nähe dieser Stimme an meinem Ohr eiskalt den Rücken runter. Auch dass diese Stimme nicht aus dem Fernsehgerät kommt, sondern in meiner realen Welt zu mir spricht, beunruhigt mich.

Ich laufe ein Stück weiter als plötzlich um mich herum alles einfriert. Wände überziehen sich mit großen Eisflächen und gesichtslose Wesen kriechen aus Ecken und Ritzen und versuchen mich zu fangen. Sie sind nicht besonders schnell, aber ich habe ein Problem: Ich kann mich nicht wehren. Meine Taschenlampe blendet und stoppt sie nicht und auch in Sachen Selbstverteidigung kann meine Spielfigur nicht die geringsten Vorkenntnisse aufweisen. Einziger Ausweg aus dieser Eishölle ist die Flucht. Gehetzt renne ich der nächsten Tür entgegen, schlage sie mit meiner Schulter auf und stolpere danach ein paar Schritte, doch da sind noch mehr von diesen Wesen. Panisch suche ich nach einer weiteren Tür, als mich eines der Wesen zu greifen bekommt. Wild gestikulierend versuche ich dieses Monstrum von mir zu schütteln, was mir glücklicherweise auch gelingt. Doch nicht nur Harry, mein Alter Ego auf dem Bildschirm, schnauft, auch ich atme schneller, und so gefroren die Landschaft um mich herum aussieht, so kalt fühlt sich auch mein Wohnzimmer momentan an, in dem ich auf der Kante meines Sofas sitze und gebannt den Ausgang aus diesem Albtraum suche. Ich finde ihn nicht und bin am Verzweifeln, in diesem Lagerraum bin ich doch vor ein paar Minuten schon gewesen. Mir steht der kalte Schweiß auf der Stirn. Ich durchbreche eine andere Tür, die mir vorhin noch nicht aufgefallen ist und bin erleichtert – ich habe es geschafft.

Doch ein leises Frösteln überkommt mich auch heute noch, wenn ich an den Sound denke, der die Eisabschnitte von Silent Hill: Shattered Memories eingeläutet hat…

Dies ist ein Beitrag zum Thema „Kälte“ des Blog-Projekts [52games]

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Kommentare zu: "Kälte" (3)

  1. yeah!

    ein passenderes spiel zu diesem thema gibt es wohl nicht. danke fürs erinnern, das kommt sofort ganz oben auf den pile of repeated shame!

    …und der ein oder andere sollte es verflucht noch eins endlich mal in die hand nehmen.
    der titel ist leider immer noch ein geheimtipp.

  2. Brrr… Dein Text hat mir echt ein bisschen zittern lassen. Vor allem der Part mit der Wiimote als Telefon. Stelle ich mir ganz schön gruselig vor.

  3. […] Hill: Shattered Memories / FreeQnet: James Pond 2: Codename Robocod / Bernd Bloggt: Cryostasis / Manuspielt: Silent Hill: Shattered Memories / Jan-Oliver: Limbo / Der Spieler: The Elder Scrolls V: Skyrim / Silent Protagonist: Secret of Mana […]

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