Archive for Februar, 2012

Kälte

Es ist keine Menschenseele auf der Straße. Überall türmen sich meterhohe Schneeberge. Die komplette Stadt scheint unter einer riesigen, weißen Decke zu schlafen. Ich irre umher, suche nach einem Ausweg aus den Schneemassen als plötzlich… meine Wiimote klingelt. Etwas verdutzt schaue ich auf das Eingabegerät in meiner Hand, und höre, wie jemand aus dem kleinen, integrierten Lautsprecher quäkt. Reflexartig und als wäre es selbstverständlich, halte ich mir die Wiimote wie ein Telefon ans Ohr, mein Charakter auf dem Bildschirm tut das schließlich auch und ich… telefoniere.  Der Anruf war mysteriös, eine mir unbekannte Frau, wie von Band gesprochen und mir läuft es ob der direkten Nähe dieser Stimme an meinem Ohr eiskalt den Rücken runter. Auch dass diese Stimme nicht aus dem Fernsehgerät kommt, sondern in meiner realen Welt zu mir spricht, beunruhigt mich.

Ich laufe ein Stück weiter als plötzlich um mich herum alles einfriert. Wände überziehen sich mit großen Eisflächen und gesichtslose Wesen kriechen aus Ecken und Ritzen und versuchen mich zu fangen. Sie sind nicht besonders schnell, aber ich habe ein Problem: Ich kann mich nicht wehren. Meine Taschenlampe blendet und stoppt sie nicht und auch in Sachen Selbstverteidigung kann meine Spielfigur nicht die geringsten Vorkenntnisse aufweisen. Einziger Ausweg aus dieser Eishölle ist die Flucht. Gehetzt renne ich der nächsten Tür entgegen, schlage sie mit meiner Schulter auf und stolpere danach ein paar Schritte, doch da sind noch mehr von diesen Wesen. Panisch suche ich nach einer weiteren Tür, als mich eines der Wesen zu greifen bekommt. Wild gestikulierend versuche ich dieses Monstrum von mir zu schütteln, was mir glücklicherweise auch gelingt. Doch nicht nur Harry, mein Alter Ego auf dem Bildschirm, schnauft, auch ich atme schneller, und so gefroren die Landschaft um mich herum aussieht, so kalt fühlt sich auch mein Wohnzimmer momentan an, in dem ich auf der Kante meines Sofas sitze und gebannt den Ausgang aus diesem Albtraum suche. Ich finde ihn nicht und bin am Verzweifeln, in diesem Lagerraum bin ich doch vor ein paar Minuten schon gewesen. Mir steht der kalte Schweiß auf der Stirn. Ich durchbreche eine andere Tür, die mir vorhin noch nicht aufgefallen ist und bin erleichtert – ich habe es geschafft.

Doch ein leises Frösteln überkommt mich auch heute noch, wenn ich an den Sound denke, der die Eisabschnitte von Silent Hill: Shattered Memories eingeläutet hat…

Dies ist ein Beitrag zum Thema „Kälte“ des Blog-Projekts [52games]

Neubeginn

Junge trifft Mädchen. Die wohl am öftesten erzählte Geschichte der Welt. Tausendmal erzählt und wird doch nie langweilig. The Legend of Zelda ist ebenfalls eine dieser Geschichten. Eine Spiele-Serie, die uns seit über 25 Jahren die stets ähnlich ablaufende Legende der Prinzessin Zelda erzählt, wie sie von ihrem grün bemützten Helden Link gerettet wird. Jedes Spiel ein Neubeginn, auch für uns Spieler.

Die Reise des Helden beginnt ohne Ausrüstung aber mit einem Ruf nach der entführten Prinzessin oder dem drohenden Ende der Welt, führt durch schwere Prüfungen, die den Charakter schulen und formen. Seinen Geist, seinen Mut und Willenskraft einfordern und aus dem kleinen, unbedarften Jungen einen starken Kämpfer machen. Mit Hilfe von Mentoren und übersinnlichen Kräften wie dem Triforce gelingt der Figur schließlich die Transformation zum Helden. Kein Spiel beherrscht die Klaviatur dieser archetypische Grundstruktur der sogenannten Heldenreise, wie sie Campbell oder Vogler geprägt haben, so perfekt wie The Legend of Zelda.

So sehr sich Nintendo in der Geschichts-Struktur auch auf bewährte Formeln verlässt: Spielerisch wagt die Mannschaft um Miyamoto mit fast jedem neuen Zelda-Teil einen Neubeginn. Anstatt funktionierende Mechaniken über Jahre hinweg zu tragen, löst sich das Team gnadenlos von Altlasten. Jedes Zelda-Spiel überrascht mit neuen Ideen, mit Rätselmechaniken, die bewusst neue Eingabeformen der jeweiligen Hardware ausnutzen und als integralen Bestandteil des Spiels einbinden. Das klappt mal besser – wie die Entscheidung, die komplette Steuerung über den Stift am Nintendo DS zu regeln – und mal weniger gut – wie die teilweise sehr nervigen Fuchtelbewegungen in den Wii-Zeldas. Dennoch: Jeder Teil der Serie definiert die Vorstellung eines Zelda-Spieles neu, ohne die vorherigen Versionen verbessern zu wollen. Jeder Neubeginn hat seine Berechtigung.

Neben der zeitlosen Erzählweise liebe ich diese Reihe ja vor allem dafür, dass sie die romantische Vorstellung vermittelt, dass sich zwei Seelen über hunderte von Jahren stets wieder treffen. Link und Zelda, ein ständiger Neubeginn für die Ewigkeit.

Text zum Thema “Neubeginn” des Projekts [52games]

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